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| Die Rieger-Orgel von St. Elisabeth |
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Die 1957 von der Firma Rieger in Schwarzach/Vorarlberg mit 4 Manualen und 55 Registern erbaute Orgel erregte in Fachkreisen Aufsehen und gab dem deutschen Orgelbau starke Impulse. Eine viermanualige Orgel ist schon ihrer Größe wegen nichts Alltägliches, auch heute nicht. In dieser Orgel finden sich aber darüber hinaus eine ganze Reihe von technischen und klanglichen Neuerungen, die in ihrer Gesamtheit imponieren und in der Zwischenzeit großenteils allgemein vom Orgelbau übernommen worden sind:
- Mechanische Traktur auch für eine viermanualige Orgel: Wegen der befürchteten schwereren Spielart wagte man dies seinerzeit in unserer Gegend nur bei kleineren Orgeln.
- Erstmalig im Orgelbau: Ein- und Ausschalten der Register durch kleine Elektromotoren.
- Fünf mechanische Setzerkombinationen zum Vorbereiten und Fixieren verschiedener Registrierungen, in dieser Form für die Elisabethenorgel erfunden. Dieses System ermöglicht neben seinen funktionellen Vorzügen, dass der Spieltisch (bei unserer Orgel ein ins Orgelgehäuse eingebauter Spielschrank) einfach und stets übersichtlich bleibt und nicht von Schaltern, Wippen und Zügen überladen wird.
- Die einzelnen Teilwerke der Orgel sind in Holzkästen untergebracht, die das Pfeifenwerk allseitig umschließen, ausgenommen die Vorderfront. Die schrägen Gehäusedeckel wirken ähnlich wie der aufgeklappte Deckel eines Konzertflügels: als Reflektoren für den Schall. Derlei war 1957 in Süddeutschland noch keineswegs selbstverständlich. Die Orgel beansprucht ein Minimum an Tiefe, um ein Optimum an Klangabstrahlung zu erreichen.
- Die Werksgliederung ist leicht an ihrer äußeren Gestalt abzulesen: Vorn in der Emporenbrüstung das Rückpositiv (I. Manual); in der Mitte des Hauptgehäuses das Hauptwerk mit den horizontalen (spanischen) Trompeten (II. Manual); darunter, hinter gläsernen Jalousien, das Brustwerk (IV. Manual), vor allem der Chorbegleitung dienend; rechts und links außen (mit kupfernen Prospektpfeifen) das Pedal; in den Feldern zwischen Pedal und Hauptwerk das Italienische Werk (III. Manual), das sich vorzüglich zur Begleitung des Gemeindegesangs eignet.
Der Klang der Orgel ist scharf profiliert und intensiv, die einzelnen Werke sind klar gegeneinander charakterisiert, es gibt viel Farbe. Der Spieler sitzt mit großer Lust an diesem Instrument, das sich trotz seiner Größe leicht spielen lässt.
Die Firma Rieger und ihr Chef, Josef von Glatter-Götz haben 1957 Erfindergabe, Mut, Überzeugung und Überzeugungskraft bewiesen, eine solche Orgel zu bauen. Inzwischen ist vieles von dem, was hier erstmals verwirklicht wurde, allgemein übernommen: mechanische Traktur auch für größte Orgel, elektrische Registersteuerung in laufend verbesserter Form, immer mehr Setzerkombinationen, immer mehr konsequent werkgerechter Gehäusebau.
| Disposition: | Dr. Hans Böhringer, Stuttgart |
| Pfeifenmensuren: | George Lhôte, Genf |
| Intonation: | Alois Münzberg, Firma Rieger |
| Endintonation: | George Lhôte |
| Gesamtherstellung: | Orgelbau Rieger, Schwarzach/Vorarlberg |
| Prospekt: | Dipl.-Ing. Josef von Glatter-Götz |
| Zungenhersteller: | Giesecke, Göttingen (Bombarde 32'), Killinger (Hautbois 8'), alle übrigen Zungen von Pieere Stinkens, Zeist (Holland) |
| Umbau und Nachintonation 1969: | Albiez, Lindau |
| Gehäuseneubau, Einbau einer Streicherschwebung, Nachintonation 1989: | Orgelbau Peter Plum, Marbach |


