Was Gott verbunden hat

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3.10. 2009: 27. Sonntag im Jahreskreis / Mk 10,2-16

 

Liebe Gemeinde

Die Antwort Jesu auf die Frage zur Ehescheidung ist einfach und klar. Wir alle kennen diese klare Aussage, an der es nichts zu deuteln gibt: was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Ehescheidung ist also nicht vorgesehen. Von dieser Aussage Jesu leitet sich das Eheverständnis der Kirche, dass die Ehe unauflöslich ist, ab.

Die Frage für uns heute ergibt sich, so meine ich nicht daraus, wie dieser Text zu verstehen ist, sondern daraus, wie wir mir diesem Anspruch heute umgehen können. Denn der Trend in den Statistiken belegt eindeutig, dass die Ehescheidungen kontinuierlich zunehmen und zu etwas schmerzlich Normalem in unserer Gesellschaft geworden ist.

 

Nun könnte man sich natürlich leicht mit dem erhobenen Zeigefinger hinstellen und auf Gottes Gebot hinweisen und versuchen mit dem moralischen Druck darauf hinwirken, dass Menschen eben doch zusammen bleiben. Das wurde nicht selten versucht und hat in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass immer mehr Menschen der Kirche den Rücken gekehrt haben. Gefühle von Entmündigung, Enttäuschungen, Demütigungen oder auch der Eindruck, im Stich gelassen zu werden, an den Pranger gestellt zu werden und ausgegrenzt zu werden, blieben zurück. Diese Vorgehensweise der Kirche hat weder der Kirche selbst noch dem Glauben oder den Menschen geholfen. Eher im Gegenteil - man muss feststellen: es war eine destruktive Haltung gegenüber den Menschen in den Familien und Ehen.

 

Wenn ich in der Bibel nachlese und darauf achte, wie Jesus mit den Menschen umging, die in ihren Situationen scheiterten und den Normen nicht entsprachen, dann stelle ich fest, dass er alles dafür tat diese Menschen zu integrieren, ihnen zu helfen und ihnen beizustehen. Einen moralischen Zeigefinger suche ich bei ihm vergeblich.

 

Wie also umgehen mit unserem Anspruch auf Unauflöslichkeit der Ehe und den praktizierten Ehescheidungen?

 

Wir geben uns in der pastoralen Arbeit viel Mühe den Menschen, wenn sie heiraten wollen zu erklären, was die Kirche unter einer Ehe versteht. Die Paare sind in aller Regel beeindruckt und froh, dass es eine Institution gibt, die sich für ihr Anliegen und das was sie sich gegenseitig versprechen wollen, verbürgt. Den Vorwurf, den man manchmal hört, dass es die Paare gar nicht so genau nehmen mit der Ehe, den kann ich nicht bestätigen. Wer heute in der Kirche heiratet, der wünscht sich eine Ehe in diesem Sinn zu führen, der will mit dem Partner zusammen bleiben, bis der Tod sie scheidet. Es ist das Versprechen einer lebenslangen Bindung. Eine neue familiäre Verbindung soll geschaffen werden, die statt auf Blutsverwandtschaft auf Liebe, Glaube, Hoffnung und den freien Willen setzt und die mit Gottes Hilfe gestiftet wird.

 

Aber dann, wenn die Trauung vollzogen ist, bleiben die Eheleute sich selbst überlassen. Das vielbeschworene Bild vom sicheren Hafen der Ehe ist vielleicht das tückischste Bild in dieser Hinsicht. Denn jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Vielfach werden die jungen Paare von den Erwartungen, die sich an sich haben und die von der Umgebung kommen überfordernd. Die Aufgaben, die Familien heute zu schultern haben, sind enorm: denken sie nur an die Freizeitangeboten und dem Umgang mit den Medien, über die eine Einigung erzielt werden muss. Dann die Anforderungen am Arbeitsplatz, die Erziehung der Kinder in einer unübersichtlichen Welt, die Fürsorge für die Eltern, die zusätzliche Vorsorge für das eigene Alter, das Schaffen eines Zuhauses für die Familie. Und das alles in einer Zeit, in der jeder sich selbst der Nächste ist, in der Konkurrenz eine immer größere Rolle spielt und Normen nicht mehr selbstverständlich sind. Alles kann hinterfragt werden, von der Gesellschaft ebenso, wie vom Partner oder von den Kindern.

Mit der Eheschließung beginnt ein gemeinsamer Weg, all diese Hürden zu bewältigen. Und damit es ein gemeinsamer Weg bleiben kann braucht es immer das Bemühen um die Ehe. Eine Beziehung, die nicht gepflegt wird, verkommt und geht mit der Zeit kaputt. Ich kenne viele Familien, die einfach daran zerbrochen sind, dass nach dem Abarbeiten aller Anforderungen keine Zeit mehr für sich als Ehepaar vorhanden war.

 

Je mehr ich mich mit dem Thema Ehe- und Familienpastorale beschäftige, desto deutlicher wird mir, wie wichtig es ist, die Familien und Ehe zu begleiten und zu unterstützen. Das sehe ich als Auftrag aus dem Evangelium an: Menschen dabei zu helfen, dass Familien trotz aller Belastungen funktionieren können, dass Kinder in ihren Familien mit Mutter und Vater aufwachsen können und ein lebendiges Bild von Partnerschaft und Ehe bei ihren Eltern sehen können. Denn das ist ein Segen für die Kinder, der für das ganze Leben fruchtbar sein kann.

 

Mit unseren pädagogischen Einrichtungen versuchen wir Familien zu entlasten, in den Krippen, Kindergärten und Horten der Gemeinde. Im Familienzentrum St. Stefan suchen wir weitere und auch neue Wege Familien zu unterstützen und zu stärken. Ich bin dankbar über die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Gemeinde, die sich um Familien bemühen, die sich für Kinder oder Jugendliche einsetzen. Ich bin glücklich über die vielen Paare, die sich für die kirchliche Trauung entscheiden und die zahlreichen Taufen in unserer Gemeinde. Aber ich sehe auch, dass es viel Not gibt und dass wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen dürfen.

 

Die Familie ist die Kernzelle der Gesellschaft und der Kirche. Aber der Trend nach Flexibilität, Mobilität und Pluralität in unserer Zeit drückt die Familien immer mehr an die Wand und gerade angesichts dieser Entwicklung wird die Stabilität innerhalb der Familien immer wichtiger. Familien brauchen Unterstützung heute mehr denn je, damit sie ihre vielfältigen Aufgaben bewältigen können. Das Zusammenbringen von abgebotener Hilfe und nachgefragter Unterstützung und das Vernetzen unterschiedlicher aber zusammenpassender Bedürfnisse sehe ich als große Chance in der Kirchengemeinde. Gerne dürfen Sie sich an mich oder an das Familienzentrum wenden mit ihren Vorstellungen.

 

Für mich geht es nicht nur um ein soziales Engagement, sondern auch um ein spirituelles. Sind wir doch alle zu einer großen Familie der Kinder Gottes verbunden.

Amen