Tut dies zu meinem Gedächtnis

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03.06.2010 - Fronleichnam

Jesus war kein Zauberer und die Brotvermehrung nicht eines seiner besten Kunststückchen. Die Speisungsgeschichten der Evangelien sind Bilder für das eucharistische Mahl selbst, das die Jüngerinnen und Jünger zum Gedächtnis Jesu feierten. Wenn die Zuhörer eine solche Wundergeschichte im Gottesdienst hörten, dann wussten sie: hier geht es nicht um ein Picknick, sondern um das eigentliche Wunder, das wir in der Messe, dem Abendmahl Jesu, feiern: Jesus selbst ist das „Brot des Lebens", das „lebendige Brot", das in Hülle und Fülle für alle da ist. Jesus selbst teilt durch seine Jünger sich selbst als Speise für uns, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben.

Dieses Leben, das weiß jeder, ist mehr als nur satt sein; es ist Gemeinschaft mit den vielen und Gemeinschaft mit Gott selbst: es ist Kirche und Kommunion. Jesus hat am Abend vor seinem Leiden das Brot gebrochen und den Wein ausgeteilt mit der Aufforderung: Tut dies „zu meinem Gedächtnis". Von Anfang an hat die Kirche diesen Auftrag erfüllt. Was aber bedeutet: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!"?

Die Eucharistie ist zunächst das „Denkmal, das uns mahnet an des Herren Tod", wie es in einem Lied heißt. Wir leben als Christen daraus, dass wir uns an Jesus erinnern, dass er uns als einzelnen und als Gemeinschaft im Glauben im Gedächtnis und im Bewusstsein ist. Wir treffen uns, um das Wort Gottes zu hören und die Eucharistie zu feiern, damit wir ihn, seine Worte, seine Taten, das Geheimnis seines Lebens, Sterbens und Auferstehens nicht vergessen. Der Glaube lebt dort, wo Jesus Christus nicht vergessen wird: in unseren Gottesdiensten, in unserer Gesellschaft, in unseren Schulen und Kindertagesstätten, in den Familien, in Ihren, in meinem ganz persönlichen Leben. Die heilige Messe, die Eucharistiefeier, ist die größte, die wichtigste, die von Jesus Christus selbst gestiftete Weise, seiner zu gedenken. Sie ist deshalb Quelle, Mitte und Höhepunkt des kirchlichen Lebens. Wir müssen sie feiern, um unser Gedächtnis zu bewahren und uns unserer Identität immer neu zu versichern und diese festlich fest zu halten.

Die Eucharistie ist dabei weit mehr als eine Gedächtnisstütze oder eine Gedenkveranstaltung zu Ehren des einstigen Religionsstifters. Sie ist lebendige Erinnerung: Jesus Christus ist jetzt, heute gegenwärtig in seinem Wort und in Brot und Wein. Er ist wirklich und wirksam gegenwärtig. Die Messe feiern, in deren Mitte die „Wandlung" der eucharistischen Gaben von Brot und Wein in Leib und Blut Christi steht, heißt: sich selbst durch Jesus Christus jetzt und heute wandeln lassen und wandeln lassen wollen. Messe feiern heißt: bereit zur Wandlung sein. Dieses Mahl nährt, erfrischt, stärkt, vitalisiert uns jetzt und hier und heute als ganze Menschen. An den Tisch des Herrn zu treten hat deshalb Folgen, es drängt über sich hinaus. Messe ist Mission. Wenn es am Ende heißt: „Gehet hin!", dann sollen wir als andere rausgehen, wie wir reingekommen sind. Das Göttliche, das uns geschenkt worden ist, ist dafür da, weitergegeben zu werden und auch die Welt um uns herum zu verwandeln. Gerade an Fronleichnam wird dies ja auch deutlich: Wir sind nicht für uns selber da, um Gottes satt uns zurückzulehnen. Christ sein heißt: rausgehen. „Tut was zu meinem Gedächtnis!" ruft Jesus uns zu. Der Segen, den wir empfangen haben, kann und soll zum Segen werden für viele.

Fronleichnam ist deshalb in St. Elisabeth das Fest der „Netten Nachbarn", jener jungen und älteren Menschen in unserer Gemeinde, die bereit sind, zu einem guten Miteinander und einer guten Nachbarschaft in unserem Stadtviertel beizutragen. Wir freuen uns riesig über alle, die sich in den letzten Monaten schon gemeldet haben, um etwa Neuzugezogene willkommen zu heißen, Senioren zum Geburtstag zu gratulieren, Familien zur Geburt eines Kindes zu gratulieren oder einzelne ältere oder kranke Menschen regelmäßig zu besuchen. Ich bin zutiefst dankbar und berührt, dass es so viele gibt, die bereit sind, hin zu gehen und durch einen Besuch, eine Aufmerksamkeit eine konkrete Begegnung etwas zu verwandeln und zu verbessern. Ich möchte sie ermuntern, sich den „Netten Nachbarn" anzuschließen. Denn da wird das, was wir in jeder Messe feiern, so unmittelbar menschlich erfahrbar. Wir feiern das Gedächtnis Jesu im Gottesdienst, in der Gemeinschaft und in allen guten Werken. Hier ist das Leben in Fülle, das Leben für viele.