Seid beharrlich im Gebet

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17.10.2010 - 29. Sonntag im Jahreskreis C 

Ist ihnen schon mal ein Mensch begegnet, der mit ihnen nicht mehr spricht, der ihrem Blick ausweicht und mit allen Mitteln eine Kommunikation verhindern will? Es ist sehr mühsam mit einem solchen Menschen zu tun zu haben. Und meist dauert es nicht lange und dann führt das zu einem Abbruch dieser Beziehung.  Was sich so zwischen Menschen abspielt, das geschieht ganz ähnlich auch zwischen Menschen und Gott. Das heißt: wenn die Kommunikation eingestellt wird, kommt es auch hier früher oder später zu einem Abbruch der Beziehung. Wir nennen die Kommunikation mit Gott: Gebet. Aber Kommunikation und in Kontakt stehen ist viel mehr als Sprechen. Und auch beten ist viel mehr als sprechen.

Wir kommunizieren, wenn wir uns ansehen, wenn wir uns berühren, wenn wir gemeinsam etwas machen, ja oft sogar dadurch, dass wir aneinander denken. Im Kontakt mit Gott ist das nicht anders: allein, wenn wir an ihn denken, baut sich eine Beziehung auf. Im Tun, wenn wir uns beispielsweise einsetzen für Menschen in Not, wenn wir mitbauen an einer gerechteren Welt, am Reich Gottes, können wir die Erfahrung machen, dass wir dabei nicht allein sind, sondern begleitet werden. In einer Betrachtung, z.B. der Natur, eines Bildes oder eines Textes, machen Menschen die Erfahrung, dass Gott sie anspricht, ihnen etwas für den Alltag mitgibt. Und in der Stille können Menschen die Erfahrung machen, dass sie berührt werden vom Heiligen, von Gott. All das können Formen des Gebetes sein, Möglichkeiten die Beziehung zu Gott zu pflegen und zu intensivieren.

Der Oktober ist der Rosenkranzmonat, eine Zeit, die uns durch die Hinwendung auf das Gebet stärken will und vorbereiten will auf die dunkle Jahreszeit. Die Natur konfrontiert uns mit unserer Sterblichkeit, mit dem Herbst unseres Lebens. Viele Menschen leiden an Niedergeschlagenheit. Depressionen haben Hochkonjunktur. Gerade da ist es ungemein wichtig, dass wir verbunden sind mit dem, der uns immer wieder neu mit Leben erfüllt und uns Kraft schenkt. Dass wir in Kontakt stehen mit dem, der unseren Alltag mit Freude und Sinn durchdringt und unserem Lebensweg Halt und Richtung gibt. Wenn wir am kämpfen sind, in Krisen oder Nöten, in Krankheit oder Leid, dann benötigen wir sein Hilfe am aller meisten. Dann spielt die Kommunikation mit Gott, unser Gebet, in welcher Form auch immer, eine zentrale Rolle, damit uns überhaupt geholfen werden kann.

Seid beharrlich im Gebet, so höre ich es aus den Texten des heutigen Tages: Josua kann sich gegen die angreifenden Amalekiter nur solange zur Wehr setzen, solange Mose seine Hände zum Gebet erhoben hat. Als Mose die Kraft ausgeht helfen ihm Aaron und Hur. Ähnliche Erfahrungen werden sie auch gemacht haben. Eine Gemeinschaft im Gebetsleben kann über manche Klippe hinweghelfen. Gemeinsam zu beten ist oft viel leichter, als es allein zu tun. Ob im Gottesdienst, in einer Gebetsgruppe oder in der Familie, z.B. beim Tischgebet. Manchmal erfahre ich, dass ein Mensch ins Gebet, in eine Beziehung zu Gott, überhaupt nur dadurch hineinfindet, dass er dazu anleitet wird. Aber auch feste Rituale sind eine große Hilfe, ein bestimmter Zeitpunkt z.B. morgens im Bett, vor dem Aufstehen, oder Abends vor dem Einschlafen, mittags um zwölf, wenn ich die Kirchenglocken zum Angelus rufen höre. Auch die Haltung, innerlich aber auch äußerlich kann eine wichtige Rolle spielen. In der Geschichte von Mose ist das empor halten der Hände, seine Gebetshaltung, das Gebet selbst. Auch das werden sie kennen, dass sie eine äußere Haltung einnehmen und ohne dass sie etwas weiteres tun, sich eine innere Haltung einstellt. Manchmal reicht es die Hände zu falten um sich mit Gott zu verbinden, oder einfach nur die Augen schließen, durchatmen und nach innen hören.

Meistens hilft es uns ins Gebet zu kommen, in die Beziehung, wenn wir etwas in die Hand nehmen können, ein Gebetsbuch, ein Kreuz, ein Bild oder eine Gebetskette. So, wie wir im zwischenmenschlichen uns erinnern, an unserem Ehepartner durch den Ehering oder durch ein Bild mit unseren Lieben verbunden sind. Welche Zeichen erinnern mich in meinem Alltag an meine Beziehung mit Gott? Die Marienfigur auf dem Schreibtisch, das Kreuz, das ich mir am Morgen um den Hals lege, der Rosenkranz in der Tasche, auf den ich stoße, wenn ich ein Taschentuch suche? Es gibt viele Möglichkeiten mir Erinnerungs- und Kontakthilfen zu schaffen, damit ich mich auf Gott ausrichte und in die Kommunikation mit ihm gehe.

Im Evangelium hören wir, wie Jesus davon spricht, dass wir allezeit beten und darin nicht nachlassen sollen. Allezeit beten – wie kann das geschehen, was ist damit gemeint? Es geht Jesus sicher nicht darum ununterbrochen ein Gebet nach dem anderen zu sprechen. Es geht ihm vielmehr darum in einer guten Beziehung zu Gott zu stehen und aus ihr nicht herauszufallen. Seine Sorge drückt sich im letzten Vers aus: wird der Menschensohn, wenn er wiederkommt, noch Glauben vorfinden.

Unser Glaube speist sich aus den Erfahrungen, die wir in der Beziehung zu Gott machen. Nähren wir also unseren Glauben, indem wir uns immer wieder neu auf ihn besinnen, mit ihm in Kontakt gehen und seine Kraft in unserem Leben wirken lassen.