Der gefährliche Zuspruch der Taufe
Geschrieben von: Dominik Weiß
Predigt zum Fest der Taufe des Herrn 08.01.2012
Liebe Schwestern und Brüder,
wer eine Kirche betritt, der erwartet in ihrem Inneren einen Ort der Ruhe und Besinnung, einen stillen Raum für die innere Einkehr, einen Platz, an dem das seelische Gleichgewicht wieder hergestellt werden kann. Auch Menschen, die gar nicht sehr gläubig sind, suchen aus solchen Gründen hin und wieder Kirchen auf, z.B. als Kontrast zur geschäftigen Fußgängerzone. Wer mit diesen Erwartungen eine Kirche betritt, so berechtigt sie auch sind, dem entgeht dabei vielleicht, dass jede Kirche gefährliche Orte in ihrem Inneren birgt, Orte, bei denen es eigentlich ganz schön gute Nerven braucht, um sich ihnen zu nähern, auch wenn sie auf den ersten Blick harmlos aussehen. Ein gefährlicher Ort ist dieser Ambo, denn von ihm aus hören wir Woche für Woche das Wort Gottes, und dieses Wort will nichts weniger als unser Leben auf den Kopf stellen. Ein gefährlicher Ort ist der Altar, denn auf ihm kommt der heilige Gott selbst in unsere Mitte. Und ein wilder und gefährlicher Ort ist nicht zuletzt das Taufbecken, auch wenn man ihm das zunächst nicht ansieht.
Im Dialog mit allen Bürgern dieser Stadt
Geschrieben von: Christian Hermes
Ansprache von Stadtdekan Dr. Christian Hermes im Gottesdienst zur Amtseinführung als Stadtdekan von Stuttgart am 16. September 2011 - Domkirche St. Eberhard Stuttgart
Sehr geehrter Herr Generalvikar Prälat Dr. Stroppel,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Schuster, sehr geehrte Beigeordnete,
sehr geehrter Damen und Herren Abgeordnete und Stadträte,
sehr geehrter, lieber Herr Stadtdekan Ehrlich,
liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste!
Anregende, vielleicht auch aufregende Texte, die wir gehört haben. Heinrich von Wessenberg, letzter Generalvikar des bis hier nach Stuttgart reichenden Bistums Konstanz, lässt keinen Zweifel daran, wer an den ewigen Freuden teilnehmen darf: Ganz im Sinn der Aufklärung bewährt sich der religiöse Mensch als der moralisch gute Mensch. Das „Merkmal der Liebe", so sein Psalm treffsicher, ist das überzeugendste Erkennungsmerkmal der Christen und das billet d'entrée zur Seligkeit.
Gott der Vergebung, nicht der Gewalt
Geschrieben von: Christian Hermes
11.09.2011 - 24. Sonntag im Jahreskreis - Tagestexte
An diesem Sonntag erinnern sich Menschen auf der ganzen Welt an die Attentate des 11. September 2001. Wir denken an den Tod von fast dreitausend Menschen und an die Bilder und Gefühle, die sich unauslöschlich in unsere Erinnerung eingebrannt haben, an den Schrecken und die Angst, den zu verbreiten das Ziel aller Terroristen ist, an die militärischen Kriege und politischen Diskussionen seitdem. Und dann gibt uns die Liturgie für diesen Sonntag solche biblische Lesungen vor: „Der Mensch verharrt im Zorn gegen den andern, vom Herrn aber sucht er Heilung zu erlangen? ... Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft! ... Denk an den Bund des Höchsten, und verzeih die Schuld."
Schöner Streiten mit Jesus
Geschrieben von: Christian Hermes
04.09.2011 - 23. Sonntag im Jahreskreis A - Tagestexte
Wer sucht schon Streit? Konflikte und Auseinandersetzungen machen keinen Spaß, aber sie sind leider unvermeidlich, wo Menschen mit ihren verschiedenen Eigenheiten, Interessen, Fehlern und Kompliziertheiten einander "be-gegnen". Streiten darf deshalb nicht ängstlich oder harmoniesüchtig vermieden werden, sonst wird alles nur noch schlimmer. Streiten will aber gelernt sein. Heute erinnert uns das Evangelium an einige Regeln konstruktiver und förderlicher Konfliktführung, die manche zerstörerische Auseinandersetzungen in der Geschichte hätte verhindern können und heute verhindern können, im Großen und im Kleinen.Sonntagsfrage
Geschrieben von: Christian Hermes
21.08.2011 - 21. Sonntag im Jahreskreis A - Tagestexte
Woche für Woche schauen Politiker und Parteien mit größter Spannung auf das Ergebnis der sogenannten „Sonntagsfrage": „Wenn am Sonntag Wahl wäre..." Angesichts der Kompliziertheit der politischen Fragen und der Wankelmütigkeit von uns Wählern scheinen wir, wie manche kritisieren, statt in einer Demokratie in einer „Demoskopo-kratie", unter einer Herrschaft der Umfragen, zu leben. Denn noch mehr als die Wähler scheinen die Parteien beherrscht von veröffentlichten Meinungen und Stimmungen, von ihrer Quote, von der tagesaktuellen Gunst und Laune von uns Wählern, ob sie „geliked" werden oder nicht?


