Einheit und Glaubwürdigkeit
Geschrieben von: Christian Hermes
16.05.2010 - 7. Sonntag der Osterzeit C
In diesen Tagen versammeln sich in München tausende Christinnen und Christen zum zweiten Ökumenischen Kirchentag. Die Gottesdienste, die Begegnungen, die Diskussionen und Veranstaltungen stehen dabei unter dem Leitwort „Damit ihr Hoffnung habt". Christen wollen einen Impuls der Hoffnung setzen gerade angesichts vieler wenig hoffnungsvoller Ereignisse und Entwicklungen. Ökologische und ökonomische Krisen machen uns ebenso Sorgen, wie die Krisen und Probleme, die es innerhalb der Kirchen und der Christenheit gibt. Der ökumenische Kirchentag will zeigen, dass die Christen vor den Herausforderungen dieser Zeit nicht in eine religiöse heile Hinterwelt flüchten, sondern in Offenheit und Verantwortung den Glauben in dieser Welt und in dieser Zeit leben wollen. Dabei wissen wir alle sehr gut, dass wir nur gemeinsam glaubwürdig sein können, so wie Jesus im heutigen Evangelium selbst sagt: die Welt glaubt die Botschaft der Hoffnung nur, wenn die Botschafter selbst eins sind. Jesus hat vor seiner Passion um die Einheit gebetet, und sein Wunsch, dass alle eins seien, ist nicht nur ein frommer Wunsch, sondern ein Auftrag an alle, die sich Christen nennen.Der Einsatz für die Ökumene, für die Einheit der Christen, ist deshalb nicht Kür für uns, sondern Pflicht. Ökumenische Aktivitäten dürfen keine Zugabe in besonders engagierten Gemeinden sein, sondern gehören zu den Grundaufgaben christlicher Gemeinde. Ich bin sehr froh, dass wir mit den evangelischen Gemeinden in unserem Stadtviertel, vor allem mit der Paulusgemeinde, Johannesgemeinde, Paul-Gerhardt-Gemeinde sowie mit der methodistischen Zions-Gemeinde gute ökumenische Kontakte pflegen. Neben dem ökumenischen Gesprächskreis, der sich regelmäßig trifft und über neue Mitglieder freut, möchte ich die ökumenische Bibelwoche, die ökumenischen Gottesdienste in den Seniorenheimen, die Auferstehungsfeier oder die ökumenischen Schülergottesdienste hervorheben. In diesem Jahr zum zweiten Mal haben wir mit allen Gemeinden das Fest Christi Himmelfahrt ökumenisch gefeiert. Und schon dreimal, auf dem Wochenmarkt und beim Bürgerfest, waren wir mit einem ökumenischen Info-Stand vertreten.
Sie sollen eins sein, damit die Welt glaubt. Immer wieder erzählen mir ältere Menschen davon, wie rigide die Kirchen in früheren Jahren noch gegeneinander arbeiteten und sich gegenseitig verurteilten. Wer ein sogenannte konfessionsverschiedene „Mischehe" einging, wurde manchesmal richtiggehend geächtet. Viele verabschiedeten sich deshalb innerlich von ihrer Kirche. Es ist ein Verdienst der ökumenischen Bewegung, dass wir heute von „konfessionsverbindenden" Ehen sprechen. Dahinter steht die Überzeugung, dass uns viel, viel mehr verbindet, als uns trennt, und dass wir gut daran tun, dieses Verbindende zu betonen und daraus etwas zu machen, und von da aus dafür zu beten und zu arbeiten, dass auch das noch Trennende ausgeräumt werden kann. Die Ökumene im Kleinen, in der Familie, ist auch deshalb so wichtig, weil diese ja die erste und kleinste Form von Kirche, die Hauskirche, sein soll. Dort zuerst soll Einheit und Gemeinschaft des Glaubens erfahrbar sein. Die Taufe erkennen wir unter allen Kirchen, die in der „Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen" zusammengeschlossen sind, als ökumenisch an; es gibt keine katholische oder evangelische, sondern nur eine christliche Taufe. Und innerhalb der katholischen Lehre ist die Ehe zwischen Getauften ein Sakrament, nicht nur die Ehe zwischen Katholiken. Auch der nichtkatholische Partner darf sich deshalb in unserem Gottesdienst herzlich eingeladen fühlen.
Sie sollen eins sein, damit die Welt glaubt. Diese Einheit gilt zwischen den Christen und den Kirchen und Gemeinschaften, sie gilt innerhalb der Kirchen, wo Zwiespalt und Streiterei ganz gewiss keine Zeichen der Hoffnung geben. Das Evangelium erinnert uns aber auch daran, dass an allem Anfang zunächst einmal die Einheit mit dem Vater und dem Sohn im Glauben und in der Liebe steht. Nur eine Ökumene, die auf der Liebe zu Gott und den Menschen aufbaut, kann gelingen. Wenn wir damit anfangen, dass wir im Gebet, im Gottesdienst, in unserem konkreten Handeln Zeugnis geben, dass wir mit uns selbst, miteinander und mit Gott „eins" sind, dann, können wir glaubwürdig sagen: Wir sind Christen, „damit ihr Hoffnung habt".
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