23.05.2010 - Pfingsten - Der Heilige Geist durchdringt uns

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Heute am Pfingsttag feiern wir das Fest des Heiligen Geistes. Viele Menschen tun sich schwer mit dem Heiligen Geist. Dieses Fest ist nicht so anschaulich wie Weihnachten, als der Vater den Sohn sendet und wir vor der Krippe stehen. Oder die Passion und das Osterfest, wenn wir des Tod Jesus gedenken und seine Auferstehung feiern. Da geht es handfest zu - aber an Pfingsten? Wir sehen den Geist nicht und die Geschichten dazu sind nicht so greifbar und fassbar. Wenn ich in der Schule vom Geist Gottes erzähle, dann fallen den Schülern zahlreiche Geistergeschichten ein, aber mit einem Heiligen Geist können die wenigsten etwas verbinden.

In der Apostelgeschichte wird vom Heiligen Geist erzählt, wie von einem heftigen Sturm, einem Brausen, das vom Himmel her kommt. Und es wird von Feuerzungen berichtet, die sich verteilten, sodass sich auf jeden eine niederließ.

Die Bilder von Sturm und Feuer, haben durch die moderne Wissenschaft ihren geheimnisvollen Charakter und somit auch viel von ihrer Macht eingebüßt. Auch der Himmel hat eine völlig andere Bedeutung für uns, als für die Menschen vor 2000 Jahren.

Dennoch können uns diese Bilder helfen. Den Sturm sehen wir nicht, aber seine Wirkung spüren wir deutlich. Auch Feuer kann nahezu durchsichtig sein und hat eine beeindruckende Macht. So ist es auch mit dem Geist Gottes, er ist nicht sichtbar hat aber eine ungeheuere Auswirkung.

Diese Auswirkungen sind sehr vielfältig, man denke nur an die sieben Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Die Apostelgeschichte erzählt von der Wirkung des Heiligen Geistes in Hinsicht auf die menschliche Beziehung: die Menschen sprechen in fremden Sprachen und dennoch verstehen sich alle.

Ich finde das ist ein wunderbares Bild. Denn letztlich kommt es bei der Sprache letztlich nicht auf die einzelnen Worte an, sondern auf das, was jemand sagt. Und die tiefere Botschaft ist viel weniger abhängig von der gemeinsamen Sprache, als wir denken. Ich habe schon erlebt, dass ich mich wunderbar mit Menschen verstanden habe, ohne dass ich deren Sprache sprechen konnte. Und viel öfter noch habe ich, z.B. in der Paarberatung erlebt, wie Menschen aneinander vorbei reden, obwohl sie die gleiche Sprache sprechen. Das Entscheidende was wir uns zu sagen haben, was jeder Mensch zum Leben unbedingt braucht, ist gegenseitige Achtung, Anerkennung und Wertschätzung. Und das verstehen sie auch dann, wenn es jemand auf Suaheli sagt. Es geht hier um die Sprache des Herzens und der Liebe, und die hat keine Länderkennung.

Der Heilige Geist wirkt an uns und in uns. Er lehrt uns zu lieben und zu vertrauen. Er stiftet uns an, lebendige Gemeinschaft und Beziehungen zu gestalten und zu leben.

Das Johannesevangelium, das einem anderen Traditionsstrang angehört als die Apg, erzählt von der Gabe des Heiligen Geistes auf seine eigene Art. Der Auferstandene sagt seinen Jüngern den Frieden zu. Er will seine Jünger aussenden und gibt ihnen zu dieser Aufgabe den Heiligen Geist mit auf dem Weg. Er haucht ihnen diesen Geist quasi ein. Die Verbindung von Geist und Atem ist ein altorientalisches Sprachbild. Für beides wurde der gleiche Begriff verwendet. Die Griechen glaubten zum Beispiel, dass sie ihre Seele bzw. ihren Geist mit dem letzten Atemhauch ausatmen.

Mit dem Empfang des Heiligen Geistes sind die Jünger nun in der Lage Sünden zu vergeben und Vergebung zu verweigern. Was will das Johannesevangelium damit sagen? Meines Erachtens sind die Jünger damit in einen neuen Zustand versetzt. Manche Theologen sprechen hier von der Geisttaufe. Es entsteht eine völlig neue Freiheit. Eine Freiheit, die nicht mehr auf Autoritäten von außen angewiesen ist, um Orientierung zu finden. Vielmehr wird uns durch diese Geisttaufe die Fähigkeit zugesprochen selbst zu entscheiden, selbst unseren Weg zu finden, wenn wir in Beziehung zu diesem Geist in uns sind. Sünden sind ja das, was uns trennt voneinander und von Gott. Sünden sind immer Beziehungskiller. Wenn wir die Fähigkeit zugesprochen bekommen Sünden zu vergeben, dann heißt das, wir erhalten die Fähigkeit Beziehungen wieder herzustellen durch den Geist Gottes. Voraussetzung bleibt, dass wir selbst in Beziehung bleiben mit diesem göttlichen Funken in uns, der uns durch Taufe und Firmung zugesagt ist.

Eigentlich ist uns der Geist Gottes ja ganz nahe, seine Wirkungen können wir spüren, z.B. wenn wir auf die Menschen sehen, die uns lieben. Und noch stärker könnten wir ihn spüren, wenn wir auf uns selbst sehen. Wenn wir auf die Regungen unseres Herzens achten und die wahre Sehnsucht, die in uns lebt. Aber scheinbar sehen wir nicht so gerne in uns hinein. Wir lassen uns lieber ablenken und unterhalten und gehen uns selbst so gut es geht aus dem Weg. Was mitunter sehr anstrengend werden kann. Aber ich fürchte wir gehen damit nicht nur uns aus dem Weg, sondern auch dem Heiligen Geist, der in uns leben will und sich durch uns verwirklichen will in unsere Welt hinein. Was Gott uns schenkt mit dem Heiligen Geist, ist die Freiheit, dass wir keine Angst mehr zu haben brauchen, uns selbst zu begegnen, weil Gott uns so annimmt, wie wir geworden sind.

Er schenkt uns die Anerkennung und Wertschätzung die wir brauchen. Er lässt die Liebe in uns wachsen, die nur er uns geben kann. Gott will uns Begleiten, durch seinen Geist, auf all unseren Wegen. Er will, dass unser Leben gelingt und er kann uns mit seinem Geist dabei helfen. Er stiftet in uns echte und lebendige Beziehungen zu ihm und untereinander.

 

Amen