An welchen Gott wir glauben
Geschrieben von: Christian Hermes
30.05.2010 - Dreifaltigkeitssonntag
Was ist eigentlich Gott? Was glauben wir eigentlich, wenn wir sagen: „Ich glaube an Gott."? Der heutige Dreifaltigkeitssonntag ist der Tag, der uns davor bewahren soll, bei dieser Frage rot zu werden und betreten zu Boden oder fragend zum Himmel zu blicken. Religion, Gesundheitsprobleme und Politik seien angeblich schlechte Gesprächsthemen, weil zu emotional und zu privat. Religion wäre wie Krampfadern und politische Leidenschaft etwas, worüber man besser nicht diskutiert. Denn jeder habe schließlich das Recht, zu glauben, sich zu fühlen, zu wählen und schön zu finden, was er oder sie will. Oder etwa nicht? Natürlich nicht: Ich glaube: Wir sprechen viel zu wenig über unseren Glauben. Der Glaube ist keineswegs eine bloß beliebige subjektive Meinung, und als Glaube unserer Kirche auch ein Glaube mit einem Wahrheitsanspruch: An den christlichen Gott glauben ist nicht dasselbe wie: glauben, dass es morgen gutes Wetter gibt, oder dass auf dem Mars grüne Männchen leben. Der christliche Glaube ist Bekenntnis, er hat ein Bekenntnis und er soll auch „bekannt" werden.Wir glauben ja, weil wir - optimalerweise - der Überzeugung sind und uns überzeugt haben, dass unser christlicher Glaube für uns glaub-würdig ist. Wenn uns jemand fragt, was wir eigentlich glauben, dann dürfen und sollen wir in aller Bescheidenheit, aber auch mit gutem christlichem Selbstbewusstsein Rede und Antwort von diesem „glaubwürdigen Glauben" geben. Wir glauben dann nicht nur irgendwie an die berühmte „höhere Macht", an ein anonymes Schicksal oder ein gesichtsloses göttliches Wesen. Als Christen glauben wir überhaupt nicht an „etwas", sondern an jemanden. Gott ist kein Wesen, das irgendwo in der Welt sein Wesen oder Unwesen treibt, sondern er ist wesentlich persönlich, ein lebendiges Gegenüber, ein wirklicher, begegnender Gott. Die kürzeste Formel, zu sagen, was ich als Christ glaube, ist deshalb: Ich glaube an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Damit fängt Christsein an, auch ganz buchstäblich. Christ wird man, wenn diese Worte in der Taufe über einen gesprochen werden. Und Christ ist man, wenn diese Worte im Lauf eines Lebens mit Leben gefüllt werden.
Wir glauben an den Vater, der die Welt erschaffen hat, der sie erhält und vollenden wird, der uns Menschen als sein Ebenbild die Welt anvertraut hat, damit wir als Kinder Gottes mit ihr und miteinander achtsam und würdevoll umgehen; an den Vater, zu dem wir wie Jesus vertrauensvoll und ohne Angst sagen dürfen: Abba - Papa - und zu dem wir beten können „Vater unser". Wir glauben an Jesus Christus: daran, dass Gott zu uns Beziehung aufnimmt, die Menschen immer wieder anspricht, ja sogar selbst Mensch wird wie wir, um uns mit sich und untereinander immer neu zu versöhnen durch das Geschenk seiner Liebe und Hingabe. Wir glauben, dass Gott im Tod und der Auferstehung Jesu seine Lebensmacht auch für uns erweist. Und wir glauben daran, dass Gott unsere ganze Wirklichkeit durchwirkt und durchstrahlt, dass er als Heiliger Geist in der Welt auf verborgene und doch starke Weise gegenwärtig und wirksam ist, und dass er uns erfüllen kann als guter, als göttlicher, als wahrer und schöpferischer Geist. Das ist der „eine Gott in drei Personen", den wir heute feiern.
Wir glauben so an einen beziehungsreichen und lebendigen Gott. Wie armselig eine Gottesvorstellung von einer anonymen gesichtslosen Energie oder Macht - ein solcher Gott tut niemandem weh, aber auch niemandem gut. Und wie kühl und furchterregend die Vorstellung eines absoluten, allmächtigen und unsagbaren Gottes - dem niemandem weh tun kann, und der deshalb letztlich auch nicht gut tun kann. Das ist nicht unser Gottesbild. Der christliche Gott, den wir als die Liebe selbst bekennen, lebt und wirkt durch die Geschichte der Welt und des Menschen als ein persönlicher Gott, der in sich - im Leben des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes - und in der Welt des Menschen lebt und wirkt. Wenn wir getauft werden, werden wir in diese lebendige Beziehung mit Gott und mit allen, die zu ihm gehören wollen, eingetaucht. Unser Glaube ist kein beliebiges Für-wahr-Halten irgendeiner religiösen Weltanschauung. Glaube sucht die Einsicht und soll sie suchen. Glaube ist eine Lebenshaltung und Lebenspraxis, und er drängt von sich aus danach, weitergegeben und geteilt zu werden. „In Gottes Namen" - sagen wir und bekennen wir, wie und an welchen Gott wir Christen glauben!
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