Schöner Streiten mit Jesus
Geschrieben von: Christian Hermes
04.09.2011 - 23. Sonntag im Jahreskreis A - Tagestexte
Wer sucht schon Streit? Konflikte und Auseinandersetzungen machen keinen Spaß, aber sie sind leider unvermeidlich, wo Menschen mit ihren verschiedenen Eigenheiten, Interessen, Fehlern und Kompliziertheiten einander "be-gegnen". Streiten darf deshalb nicht ängstlich oder harmoniesüchtig vermieden werden, sonst wird alles nur noch schlimmer. Streiten will aber gelernt sein. Heute erinnert uns das Evangelium an einige Regeln konstruktiver und förderlicher Konfliktführung, die manche zerstörerische Auseinandersetzungen in der Geschichte hätte verhindern können und heute verhindern können, im Großen und im Kleinen. "Richtig Streiten mit Jesus" könnten man die Regeln überschreiben.Erste Regel: Den Gegner achten. Streit ist (auch) Begegnung: Menschen stehen sich gegenüber, und wenn es noch so sehr um Sachthemen, berufliche oder fachliche Fragen geht. Gut gestritten wird, wo man sich bei allem Ärger, bei aller Gegnerschaft die Achtung vor dem anderen bewahrt und Person und Sache unterscheidet. Ein Streit ist nicht dann beendet, wenn klar ist, wer recht hat oder wenn einer gewonnen hat, sondern wenn ein Weg gefunden ist, wie man hinterher miteinander umgehen kann. Schlechter Streit demütigt und beschädigt Personen und Beziehungen, guter Streit klärt und bringt einen weiter.
Zweite Regel: Die Sache beim Namen nennen. Wie oft reden wir um den Brei herum oder reden gar nicht mehr, die Stimmung wird immer schlechter, die Gereiztheiten häufen sich. Damit jemand sich ändern oder bessern kann, muss ich mir die Mühe machen hinzugehen und zu benennen, warum ich was falsch finde. Nur so hat der andere eine Chance, etwas zu verbessern.
Dritte Regel: Eskalation kontrollieren. Das verwundert zunächst: Wenn man sagt, ein Konflikt sei "eskaliert", dann hat er meist schon die höchste und nur noch zerstörerische Stufe der Skala erreicht. Viele sind viel zu lange ruhig, hoffen, dass sich die Probleme von selbst lösen, fressen alles in sich hinein, und irgendwann gibt es dann den großen Knall. Andere schießen gleich mit Kanonen auf Spatzen. Gut streiten heißt: seine Kritik und Reaktion angemessen wählen, es solange wie möglich im Guten versuchen, damit der andere eine Chance hat, etwas positiv zu verändern. Das macht Mühe, eine Mühe, die sich aber mehr lohnt. Festzustellen dass es miteinander nicht mehr geht, ist nur die letzte Möglichkeit, wenn vorher alles versucht wurde.
Vierte Regel: Den Streit dort führen, wo er hingehört! Zum gute, konstruktiven Streiten gehören Direktheit und Diskretion. Oft werden Kinder, Freunde, Familie, Vorgesetzte, Kollegen, Mitschüler oder gar die Öffentlichkeit benutzt, es wird intrigiert, herumgetratscht, hintenrum agiert oder ein Streit an die große Glocke gehängt. Jesus empfiehlt für gutes Streiten: Immer erst das Gespräch unter vier Augen, die unmittelbare Begegnung suchen, und wenn das nichts bringt, Personen des Vertrauens beratend und schlichtend dazunehmen. Erst danach sind noch andere, aber immer bei der Suche nach einer guten Lösung, einzubeziehen.
Letzte Regel: Gott ist (auch) mit den Streitenden! Der berühmte Satz: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen", versichert uns als Christen der Gegenwart Jesu - das gilt auch in Auseinandersetzungen und es gilt vor allem auch für alle Beteiligten. Wir sollen und wir können mit Gottes Hilfe Konflikte so angehen, dass aus den Reibereien gute Energie und neues Leben zünden können und mit Achtung und womöglich sogar Liebe gestritten werden kann.
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