Predigt Ostersonntag

Ostern und die Frage nach unserem Leben

  

Das Osterfest ist ein wunderschönes Fest, der kalte Winter ist vorbei, wir freuen uns über die Sonne, die Wärme und das Leben in der Natur. Man plant ein gutes Essen, hat einige Tage frei, erwartet vielleicht einen lieben Besuch, die Kinder suchen Ostereier und bekommen womöglich ein Geschenk.

Dazu kommen in der Kirche eindrucksvolle Liturgien und wie heute wunderschöne Musik.

Aber was ist mit der Botschaft dieses Festes? Die Botschaft lautet: Jesus von Nazareth ist von Gott aus dem Tod auferweckt worden und lebt. Er ist wahrhaftig der Christus, der Sohn Gottes. Er ist durch den Tod gegangen und hat ihn entgültig besiegt, sodass auch wir auf eine Auferstehung nach unserem Tod und auf ewiges Leben hoffen dürfen.

 

Den einen ist diese Botschaft eine nicht auszudrückende Freude, ein tiefes inneres Glück, ein fester Halt und der Dreh- und Angelpunkt ihres Glaubens, Hoffens und Vertrauens auf Gott.

 

Für andere aber ist diese Botschaft eine Zumutung und Provokation. Viele tun sie gleich ab und wollen nichts davon hören. Wenn man den Statistikern glaubt, dann ist das die Mehrheit in Deutschland.

Viele unter uns aber sind im Zweifel und fragen sich, ob das wirklich sein kann? Wie passt das zu der Welt, die wir erfahren und mit der wir täglich zu tun haben. Eine Welt, in der die Wissenschaften für das Weltbild sorgen, in der Beweise zählen und all das, was sich kontrollieren, begründen, durchschauen und wiederholen lässt.

Wir wollen die Dinge verstehen und in unser Weltbild einordnen. Da passen religiöse Aussagen, die nicht zu beweisen, allerdings auch nicht zu widerlegen sind, nicht gut hinein. Die Folge ist, dass die wichtigsten Fragen unseres Lebens immer weniger gestellt werden: wofür lebe ich, wohin führt dieses Leben. Was ist meine Aufgabe und mein Ziel? Unsere wissenschaftlich und meist materialistisch geprägte Gesellschaft gibt darauf kaum eine Antwort, das ist schließlich Privatsache. Nur die Wirtschaft versucht uns vermeintlich zu helfen, indem sie uns Dinge andrehen will, die wir nicht wirklich brauchen.

Ostern stellt uns die grundsätzliche Frage unseres Lebens: woran glaube ich, woran orientiere ich mich und worin vertraue ich? Worauf kommt es wirklich an in meinem Leben?

Das Streben nach immer mehr, das ich kontrollieren und in Besitz nehmen kann – das kann es doch nicht sein.

 Was uns Jesus vorgelebt und verkündet hat, ist der gegensätzliche Weg:

Anstatt immer mehr besitzen zu wollen, praktiziert er einen ganz bewussten Verzicht. Er klammert sich nicht an die Dinge, sondern er lässt los. Er versucht bescheiden zu leben, statt in Saus und Braus.

Wo würden wir hinkommen, wenn wir nach der Maxime leben würden: „weniger ist mehr“? Wenn wir unseren Energiehunger reduzieren würden, unseren Fleischkonsum, unseren Hunger nach immer mehr PS, Schuhen und vielem anderem. Ich glaube wir würden uns viel Ärger sparen, wir würden den wirtschaftlich benachteiligten Ländern und unseren Kindern und Enkelkinder viel mehr übrig lassen und wir würden einen wesentlichen Beitrag leisten, dass von dieser herrlichen Schöpfung nach uns mehr überlebt.

Was wäre unsere Welt, wenn unsere Anerkennung dem gelten würde, der zu verzichten gelernt hat, anstatt dem, der es nötig hat sich mit Statussymbolen zu umgeben? 

Anstatt Menschen unter seine Macht und Kontrolle zu bekommen, gibt Jesus Kontrolle ab. Er will die Menschen nicht regieren, sondern sie befreien. Er vertraut ihnen, auch wenn sie ihn enttäuschen, vor allem aber vertraut er seinem himmlischen Vater, auch dann, wenn er ihn nicht mehr versteht. Er vertraut bis in den schmachvollen Tod am Kreuz. Die Osterbotschaft von der Auferstehung Jesu ist der Beleg dafür, dass das grenzenlose Vertrauen in Gott Bestand hat, über den Tod hinaus. Er enttäuscht uns nicht, auch wenn wir manche Entwicklung unseres Lebens nicht durchschauen.

Wie würde unsere Welt aussehen, wenn sie mehr von Vertrauen, als von Kontrolle bestimmt wäre? Wie würde mein Leben aussehen, wenn ich mehr loslassen könnte und nicht so vieles unter Kontrolle halten müsste? Wie viel Kraft und Energie würde frei werden, wie viel mehr Leben sich verwirklichen?

Die grundlegende Haltung Jesu jedoch ist die Haltung der Liebe. Er sucht nicht nach seinem Vorteil, er taktiert nicht, er rechnet sich nicht irgendetwas aus. Viel mehr verzeiht er wo es möglich ist und nimmt die Menschen an, so wie sie sind. Die Liebe Gottes wird in ihm sichtbar und sie will auch in uns sichtbar werden, wenn wir es zulassen wollen. Gott will dass wir uns gegenseitig in Liebe annehmen und uns vergeben. Dass wir mit Wohlwollen aufeinander zu gehen und uns gegenseitig anerkennen. Wenn wir uns der Liebe Gottes und seinem Heiligen Geist öffnen, werden wir erleben, dass wir sogar uns selbst verzeihen können und im Innersten annehmen können, so wie wir geworden sind.

Die Osterbotschaft, der Glaube an die Auferstehung der Toten ist das Vertrauen in das Leben, das Gott uns schenkt. Ein Leben das stärker ist als der Tod und jede Macht dieser Welt. Es bleibt aber unsere Entscheidung, woran wir uns orientieren wollen, am Besitz, an der Macht und der Kontrolle, oder am Verzicht, am Vertrauen und an der Liebe.

 

                                                                       Von Stefan Pfeifer